Eine Entwicklung, die den Retrofit-Markt beschleunigen könnte: ISOVER (Saint-Gobain) hat mit Topdec und Integra zwei neue Einblasdämmstoffe auf Basis von Mineralwolle vorgestellt. Beide Systeme adressieren einen neuralgischen Punkt der energetischen Sanierung: die schnelle und kosteneffiziente Dämmung schwer zugänglicher Hohlräume in Bestandsgebäuden. Während konventionelle Dämmsysteme oft den Rückbau von Fassaden- oder Dachkonstruktionen erfordern, ermöglichen Einblasverfahren die Applikation ohne größere Eingriffe in die Bausubstanz.
Topdec ist für die Dämmung von obersten Geschossdecken und nicht ausgebauten Dachböden konzipiert. Das Material wird maschinell auf die Decke aufgeblasen und erreicht gemäß Herstellerangaben eine homogene Schichtdicke, die auch bei unebenen Untergründen einen Lambda-Wert im Bereich von 0,035 bis 0,040 W/(m·K) gewährleistet. Für Planer ist die normgerechte Verarbeitung nach DIN 4108-10 zentral: Die lose aufgebrachte Dämmung muss gegen Verwirbelungen durch Luftbewegungen geschützt werden, was durch entsprechende Abdeckungen oder Auflastplatten erfolgt. Der Vorteil gegenüber plattenförmigen Dämmstoffen liegt in der fugenfreien Applikation, die Wärmebrücken minimiert.
Integra hingegen ist auf die Dämmung von Dachschrägen, Wand- und Deckenkonstruktionen ausgelegt. Durch das maschinelle Einblasen in vorhandene Hohlräume zwischen Sparren oder Ständerwerk lassen sich auch komplexe Geometrien ohne Demontage dämmen. Die Rohdichte liegt bei etwa 30 bis 50 kg/m³, was eine optimale Balance zwischen Dämmleistung und Einbaugeschwindigkeit ermöglicht. Für die Brandschutzklassifizierung nach DIN EN 13501-1 gibt ISOVER die Klasse A1 an – nicht brennbar, ein wesentlicher Vorteil gegenüber organischen Einblasdämmstoffen wie Zellulose.
Die Marktrelevanz ist unmittelbar: Deutschland verfügt über rund 19 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser, von denen ein Großteil vor 1979 errichtet wurde und energetisch unzureichend gedämmt ist. Die neuen Systeme dürften vor allem für Energieberater und Sanierungsspezialisten von Interesse sein, die Projekte im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) umsetzen. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist die Verarbeitungsgeschwindigkeit: Einblasdämmung reduziert die Bauzeitkosten um 30 bis 50 Prozent gegenüber konventionellen Systemen. Ob Topdec und Integra über eine EPD verfügen, die Recyclingfähigkeit und CO₂-Fußabdruck transparent macht, bleibt in den bisherigen Herstellerangaben offen – ein Aspekt, der für die Bewertung nach DGNB-Kriterien zunehmend relevant wird.